Musik ist weltweit verbreitet, sie ist Teil unseres Lebens, und sie kann besonders großen Einfluss auf uns haben. In Abhängigkeit von der Einstellung zu den bestimmten Musikstilen und Varianten kann sie unsere mentalen Tätigkeiten wie z.B. Emotionen, Empfindungen, Motive und - es ist zu vermuten – auch die kognitiven Prozesse positiv oder negativ beeinflussen. Ferner können diese Antworten des Nervensystems zugleich die physische Veränderung der menschlichen Körperfunktionen auslösen. Die Mechanismen, die hinter diesen mentalen und physischen Funktionsveränderungen stecken, sind aber nicht genau bekannt. Die Nervenwissenschaft bemüht sich, gehirnphysiologische und -morphologische Korrelate bei der Verarbeitung bzw. Vortrag/Produktion der Musik zu ermitteln. Die Forschung der perzeptuellen, emotionalen, kognitiven, motorischen und vegetativen Prozesse beim Musikhören oder Musikspielen ist ein wichtiges Forschungsfeld der affektiven und kognitiven nerven- wissenschaftlichen Ansätze, die sich das Ziel setzen, die komplexe Rolle des menschlichen Gehirns bei der Verhaltens- organisation besser kennen zu lernen.
Dank der feinen bildgebenden Verfahren zur Darstellung der Struktur und der Funktion des Nervensystems wie z.B. Magnetresonan- ztomografie (MRT), funktionelle agnetresonan- ztomografie (fMRT), Positronen- Emissions Tomographie (PET), Einzelphotonen-Emissions-Tomografie (SPECT), Elektroenzephalografie (EEG), ereigniskorrelierte Potentiale (ERP), Magnetoenzephalografie (MEG), die mit quantitativen Messgeräten der Psychologie kombiniert sind, stehen zahlreiche Informationen über die Rolle des Gehirns in der Musik zur Verfügung. Nach den Forschungs- angaben gibt es kein ausgesprochenes ’Musikzentrum’, sondern mehrere Teile des Groß- und Kleingehirns nehmen an der Musikverarbeitung teil. Diese Gehirnregionen sind typische Felder, die bei anderen perzeptuellen, kognitiven, emotionalen oder motorischen Tätigkeiten auch Funktions- aktivität aufweisen. Trotzdem sind Gehirngebiete zu entdecken, die eine dominante Rolle in der Musikverarbeitung haben, wie z.B. der Frontal- und Parietallappen, die obere Temporallappenteile und das limbische System, und wird das ganze Gehirn betrachtet, dann herrscht diesbezüglich eher eine Dominanz der rechten Hemisphäre. |
Das primäre auditorische Rindenfeld in der oberen Windung des Temporallappens ist die Input-Stelle für Musik und zugleich die erste Verarbeitungsstation. In Abhängigkeit von den Komponenten der Musik sind in der weiteren Verarbeitungsphase unterschiedliche Gehirn- teile mit Hilfe bidirektionales Netzwerk-Stroms von Informationen beteiligt sowie das Planum Temporale (Tonabstand, Tonweise, Tonfarbe, Rhythmus, räumliche Lokalisation), frontale und laterale Heschl‘sche Windung (Tonabstand, Tonweise, Tonfarbe, Rhythmus, Erkennung), Kleingehirn (Rhythmus), Parietallappen (räumliche Lokalisation, Rhythmus, Arbeits- speicher), mittleres Gyrus und die Spitze des Temporallappens (Erkennung), Frontallappen (Harmonie/Ton, Speicher, Verhaltensantwort, Bewegungsoutput, Vortrag/Spiel), insula und die limbischen Ringe (Emotionen, Erkennung). Die nervenwissenschaftlichen Ansätze der Musikverarbeitung bieten viel versprechende Möglichkeit, ein klareres Bild zu bekommen, wie das humane Gehirn die Musik wahrnimmt und produziert, sowie wie es auf emotionalen/ kognitiven und Verhaltensweisen darauf reagiert, indem es den vorteilhaften mystischen und rätselhaften Charakter der Musik vielleicht reduziert, aber hoffentlich nicht völlig verlieren lässt. |