Benjamin-Gunnar Cohrs debutierte 1984 als Dirigent mit dem Orchester der Jugendmusikschule seiner Heimatstadt Hameln, wo er seine erste Ausbildung erhielt (Flöte, Klavier, Tonsatz). Prägend für ihn war auch das langjährige Singen in der Hamelner Kantorei an der Marktkirche. Im Alter von 19 Jahren gründete er das Jugendstreichorchester Hameln, das bis 1990 unter seiner Leitung etwa 50 Werke aufführte.
Von 1986 bis 1989 studierte Cohrs privat Dirigieren bei Prof. Nicola Samale (Rom); 1988 assistierte er ihm bei der Einstudierung der Neunten Bruckners mit dem Polnischen Rundfunkorchester Katowice – seine erste Begegnung mit einem professionellen Orchester. Von 1989 bis 1994 studierte Cohrs an der Hochschule für Künste Bremen Konzert-Dirigieren, Querflöte und Gesang. Sein Prüfungskonzert im Februar 1994, das unter anderem die Bremer Erstaufführung der Fünften Sinfonie von Ralph Vaughan-Williams beinhaltete, wurde von Radio Bremen mehrfach ausgestrahlt. Danach wurde er von Prof. Andrew D. McCredie zu einem Aufbau-Studium der Musikwissenschaft an der University of Adelaide eingeladen, das er als Vollstipendiat des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) absolvierte und 1996 mit dem Postgraduierten-Diplom beendete. Während seiner Studienzeit hospitierte und assistierte er außerdem in Proben vieler bekannter Dirigenten und leitete einige Chöre. Im Sommer 2009 beendete er seine Promotion im Fach "Historische Musikwissenschaft"; im Mai 2010 wurde ihm der Titel "Doktor der Philosophie" der Universität Hamburg verliehen.
Schon seit 1987 ist Cohrs Gastredner auf internationalen Musik-Symposien und verfaßt Beiträge für musikwissenschaftliche Publikationsreihen. Als Kultur-Journalist und wissenschaftlicher Autor arbeitet er für die Tagespresse, Internet-Magazine, Fachzeit- schriften, Veranstalter (Programmheft-Texte) und CD-Firmen (Booklet-Texte). Seit 1996 ist er außerdem freier Mitarbeiter verschiedener Rundfunkanstalten (Radio Bremen, SWR, ORF, WDR). Seit 1995 ist Cohrs Mit-Herausgeber der Bruckner-Gesamtausgabe in Wien; dort legte er unter anderem nach intensiven Quellenstudien eine Neu-Ausgabe der IX. Symphonie, einen Studienband zum Scherzo sowie den umfangreichen Revisionsbericht vor. |
Bekannt wurde er insbesondere durch seine Mitarbeit an der Aufführungsfassung des unvollendeten Finales von Bruckners Neunter im Herausgeberteam von Nicola Samale. (Bezug: www.musikmph.de) Für Musikverlage gibt er Werke heraus, u. a. Bearbeitungen der Sonata da Chiesa von Frank Martin (Universal Edition) und der Gymnopédies von Erik Satie (Doblinger) für Streichorchester. Er hat überdies neue Aufführungsfassungen von Schuberts Unvollendeter, von Mozarts c-moll-Messe und Requiem erarbeitet.
Am 6. November 2000 bestritt Cohrs mit dem Russischen National Orchester im großen Saal des Moskauer Konservatoriums sein internationales Konzert-Debut als Dirigent. Seitdem hat er u. a. die Philharmonia Hungarica, das Royal Flanders Philharmonic, das Sarajevo Symphony Orchestra und das Simple String Orchestra dirigiert. Außerdem ist er dem New Queen´s Hall Orchestra (London) als Berater verbunden. Cohrs hat ein breites Interesse an unbekanntem Repertoire. Ein weiteres, großes Anliegen ist ihm die Vermittlung zwischen Wissenschaft und Praxis: So dirigierte er am 8. Oktober 2002 im Rahmen eines Festkonzertes des Brucknerbundes in Gmunden die vervollständigte, von ihm neu herausgegebene IX. Sinfonie von Bruckner. Es musizierte die Janacek Philharmonie Ostrava. Mit derlei Aktivitäten findet er als Dirigent, Musik-Forscher und Publizist immer wieder Aufmerksamkeit.
Zur Zeit arbeitet Cohrs an einem Buch über Aufführungspraxis bei Bruckner, an einem Studienband über die Entwürfe zu Bruckners Neunter sowie einer revidierten Neu-Ausgabe der Sechsten für die Bruckner-Gesamtausgabe. Außerdem bereitet er verschiedene Konzertprojekte vor, darunter die Aufführung seiner Mozart-Komplettierungen. Er lebt in Bremen. In seiner Freizeit interessiert er sich für Bücher, Film, Theater, Naturwissenschaft, Kaffeehäuser, Kochen und Ausdauersport.
Vortrag:
Schuberts Unvollendete:
Die Fakten hinter der Legende
Freitag, 24. September 2010, 17 Uhr,
Ferenc Gál Theologische Hochschule –
Klebelsberg Saal |